- 2010
- Keine Bilder.
-
-
-
- 31.Januar 2010 Septuagesimae
-
- Themengottesdienst Klaus Sievers
Ausstellung ´Keine Bilder`
-
-
- Predigt Dr. Uwe Vetter
-
-
- Predigttext Jeremia 1:1, 4-9
- (Ne´úm Adonáj)
Gottestuscheln
- Ein Rundgang im Schlepptau der Kunst
-
-
- Jeremia 1 : 1, 4-9 (nach der
Lutherbibel)
- Dies sind die Worte Jeremias, des Sohnes
Hilkias, aus dem Priestergeschlecht zu Anatot im Lande Benjamin.
Š
- Und des HERRN Wort geschah zu mir :
>Ich kannte dich, ehe Ich dich im Mutterleib bereitete, und
sonderte dich aus, ehe du von der Mutter geboren wurdest, und
bestellte dich zum Propheten für die Völker<. Ich
aber sprach: “Ach, HERR, ich tauge nicht zu predigen; denn ich bin
zu jung". Der HERR sprach aber zu mir: >Sage nicht ´ich
bin zu jung`, sondern du sollst gehen, wohin Ich dich sende, und
predigen alles, was Ich dir gebiete. Fürchte dich nicht vor
ihnen; denn Ich bin mit dir und will dich erretten<, spricht
der HERR.
-
- Jeremia 1 : 1, 4-9 (in Anlehnung an die
´Verdeutschung` Martin Bubers)
- (Dies sind die ) Reden
Jirmijáhus, Sohn Chilkijáhus,
- von den Priestern, die in Anatot im
Lande Binjamin lebtenŠ
- Rede Gottes (JHWH) geschah mir. Es
sprach:
- >Ehe ICH dich bildete im Mutterleib,
habe ICH dich gekannt.
- Ehe du aus dem Schoße fuhrst, hab
ICH dich geheiligt,
- als Künder den Weltvölkern
habe ICH dich gegeben.<
- Ich (Jeremia) sprach:
- “Ach, mein Herr, Ewiger (JHWH),
da,
- ich weiß nicht zu reden, ich bin
doch (noch) ein Kind!"
- ER (JHWH) aber sprach zu mir:
- >Sag nie mehr ´ich bin ein
Kind`!
- Ja denn &endash; allwohin ICH dich
schicke, wirst du gehen,
- allwas ICH dir entbiete, wirst du
reden.
- Fürchte dich nicht mehr vor jenen,
denn ICH bin mit dir,
- dich zu retten.< (Ne´úm
JHWH) Gottestuscheln ists.
-
- >Ehe ICH dich bildete im Mutterleib,
habe ICH dich gekannt. Š Liebe Gemeinde, verfügen Sie
eigentlich über gute Menschenkenntnis? Besitzen Sie diesen
siebten Sinn, zu spüren, mit wem wir´s zu tun haben....
Wenn uns jemand vorgestellt wird, worauf achten Sie zuerst?
- Gesichter sprechen Bände. In
Gesichtern haben sich Lachfalten und Sorgenfalten eingegraben, aus
den Augen sprüht Heiterkeit und Zuversicht, Angst und
Langeweile. Aber auch Kleidung ist aufschlussreich, nie nur
praktische Hülle, sondern immer auch Selbstbildnis. Manche
studieren die Haltung. Hält sich jemand gerade oder schlurft
er gramgebeugt daher, besitzt einer innere Spannung oder
hängt er rum wie ein toter Tintenfisch? Personalchefs
vertiefen sich gern in die handschriftliche Seite von
Bewerbungsmappen. Das Schriftbild, die Rechtschreibung zeigt
okkulte Fertigkeiten vergangener Jahrhunderte. Manche Menschen
lernt man in ihren vier Wänden kennen, denn die Art, in der
sie sich eingerichtet haben, erzählt viel über ihre
Bewohner.
-
- Die einen hausen in einer Art Tonstudio,
umgeben von Lautsprecherboxen, Kabelsalat, Steuergeräten und
Hightec, in funktionalen Stahlregalen verstaut, wie in einer
Raumstation, und die einzigen Bücher neben hunderten von
Video-Kassetten, CD-Stapeln und DVD-Covern sind Handbücher
und Kataloge. Andre präsentieren sich ihren Gästen in
Bildern und Kunst, andre verwandeln ihre Wohnungen in Museen oder
in Lagerhäuser, wo sie alles sammeln, stapeln, drapieren und
ablegen, was sie nicht entsorgen können; andre polstern die
Wände mit Büchern, tausende Bücher, ein paar
darunter, die sie sogar gelesen haben; manche verweisen, um sich
vorzustellen, auf ihre Doppelgarage, und den PS-starken
Vierradantrieb: das bin ich! oder aber auf eine verbeulte
Rostlaube, akut Tüv-bedroht, die beweist, man steht über
allem Materiellen.
-
- Doch alles bleibt vage, bis der andre
den Mund aufmacht. Im Gespräch tun sich Welten auf. Da greift
der eine polternd Platz und der nächste vernuschelt sich
schüchtern, einer röhrt heiser-verraucht, der andre
kommt charmant-umgarnend rüber. Die Wortwahl verrät, wo
einer herkommt, in welchen Milieus sie sich bewegt und (ob
irgend-) was in seinem/ihrem Kopf vor sich geht. Rede Gottes
(JHWH) geschah mir. Es sprach: >ICH habe dich gekannt<.
Menschenkenntnis ist eine Gabe Gottes, mit deren Hilfe wir Bilder
vom Menschen entwerfen.
-
- II
-
- “Keine Bilder". Keine Bilder &endash; so
hat Klaus Sievers seine Kunstwerke genannt, die draußen im
Foyer, im Eingang dieses Gottesdienstraumes hängen. Keine
Bilder, nur Worte und Äußerungen, sortiert unter
Überschriften. Eine Überschrift heißt
>Wünsche<. Was wünschen sich Menschen? Glamour,
Poesie und Unschuld, Rausch, Wärme, Rache, Jugend, Schokolade
und ZeitŠEine andere Liste sammelt Sätze unter dem Stichwort
>Geflüster< : Was sagen, was tuscheln Leute über
Leute? Sätze, halblaut eingeworfen, hinter vorgehaltener
Hand, so dass der Nächste es hört, man selbst es aber
nicht gesagt haben willŠ Eine andere Kolumne beobachtet eine
Abendgesellschaft, registriert einfühlsam alle möglichen
Kleinigkeiten, Gewolltes und Ungewolltes, Nettes und Peinliches,
Offenes und Verstohlenes, und ein paar Sachen, die sich am Rande
des guten Geschmacks bewegen. &endash; Jede Texttafel sprüht
von Menschenkenntnis und spricht unsere Menschenkenntnis an, ohne
ein einziges Bild zu verwenden.
- Es sprach: >Š ICH habe dich
gekannt.
-
- Das Amüsante daran: man liest es
und denkt ´Mensch, das kenn ich irgendwoher`. ´Das hab
ich doch schon mal gehört`. Man kann sich Leute sofort
vorstellen, die so etwas äußern. Manche Zeilen starten
einen Kurzfilm. Und dann geht´s zu wie manchmal in der
Straßenbahn, wenn sich direkt hinter einem zwei Leute
unterhalten, und dann hört man unfreiwillig Sachen mit und
staunt, was Leute alles so denken! Und fragt sich: wenn sie schon
so was denken, warum sie es dann um alles in der Welt nicht
für sich behalten! Und man hört mit, und ohne zu sehen,
wer da sitzt, entsteht eine Vorstellung, ein Bild vom Menschen,
der so redet. Ehe ich dich sah, habe ICH dich gekannt.
-
- Ich weiß, dass den Bibelkundigen
unter Ihnen da sofort die Ohren klingeln. “Du sollst dir kein
Bildnis machen!" haben wir gelernt, werden Sie einwenden. In der
Tat, es lohnt sich, auf den HERRN zu hören. Aus dem
biblischen Bilderverbot (nach reformierter Zählung gleich an
zweiter Stelle im Dekalog platziert 2.Mose 20 Vers 4), spricht
nämlich nicht allein Ehrfurcht vor dem Heiligen (Gott
selbst), sondern auch himmlische Barmherzigkeit mit den Menschen.
Der Verzicht auf Bilder (von Gott und vom Menschen) bewahrt auch
vor Enttäuschung und nicht unerheblichem Stress. Ich
persönlich sehe die technische Entwicklung hin zu iPads,
Videokonferenzen und Telefonieren vor laufender Videokamera mit
Sorge. Wer beispielsweise heute gegen 9Uhr morgens eine/n
Kollegen/in seiner Zunft anruft und am Telefon dessen/ihre Stimme
hört, kann sich unbefangen der Illusion hingeben, der/die
andre säße adrett, mit gekämmten Haare, geputzten
Zähnen und korrekt gekleidet am Schreibtisch, über
Unterlagen und Notizblock gebeugt wähnt. Niemand wird
belästigt, wenn dem nicht so wäre. Die
Videokonferenztechnik wird demnächst unaufgeräumte
Büros zeigen, Kaffee verkleckerte Krawatten,
Stoppelbärte, Bettfrisuren und peinlich verknöpfte
Dekolletés. Sie wird die Messis zwingen, eine Fotowand von
blumengeschmückten Arbeitszimmern mit brennendem Kaminfeuer
aufzustellen, wo es in der Mitte ein Loch gibt, um den Kopf
durchzustecken. &endash; Nein, manchmal ist es wirklich nicht
empfohlen, sich umzudrehen und zu schauen, wer das ist, der da so
redet. Manchmal ist das Bild vom Menschen, das man sich nur
aufgrund seiner Stimme macht, gnädiger als die echte
Erscheinung. &endash; Bilder jedoch, von Worten hervor gerufen,
gehören zur Kunst der Bibel. Und ein hörendes Ohr und
ein sehendes Auge, die macht beide der HERR.
-
- Die Kunst in der Kunst da draußen
steckt für mich in der Auswahl der Worte. Es gibt leere
Worte, die packen nicht zu; es gibt Wortgedrechsel, ambitiös,
aber langweilig; es gibt technische Worte, die einfach nur
informieren (sollen), mehr nicht. Aber es gibt auch lebende Worte,
die Leben einfangen und unseren siebten Sinn wecken. Sie lassen,
kaum, dass sie gefallen sind, vor unserm inneren Auge eine Person
entstehen. setzt ein, ein Bühnenbild tut sich auf. Phantasie,
Empathie, Antipathie illuminieren den Auftritt, Š Manche Worte
sind Tuschelbilder des Lebens. Man liest sie, und möchte sich
umdrehen und prüfen, ob der, der sowas sagt, auch so
aussieht, wie man ihn sich vorstellt.
-
- Und nun sehen Sie, liebe Gemeinde, da
wird diese völlig unsakrale Textkunst da draußen zum
Verbündeten hier drinnen, ich würde sogar sagen: zum
Lehrmeister, in der Gottesdienstkirche. Denn sie führt uns
nach dem Rundgang durchs Foyer an unsere Texte hier, an die
Lauschbeute des Glaubens, an die Worte von Menschen, die schier
geplatzt wären, wenn sie nicht jemanden gehabt hätten,
dem sie anvertrauen konnten, was ihnen widerfahren ist. Die Kunst
schärft uns die Sinne für den Geist des Lebens, der
unter die Haut geht, und eine ganz besondere Art von Menschen
schafft: atemlose, atemberaubende Persönlichkeiten, die uns
Worte hinterließen, aus denen es funkt, sprüht, raunt,
flüstert. Wo unsere Menschenkenntnis aufspringt und man sich
umdrehen möchte und schauen, wer das ist, der so was sagt.
-
- KünstlerInnen und Bibelautoren
haben etwas gemeinsam, hat der Religionsphilosoph Martin Buber
beschrieben. Ohne dass sie “religiöse Kunst" schaffen, sei
schöpferische Arbeit immer zugleich ein geistlicher Vorgang
(Werke I, Zwiesprache. Die Sphäre der Kunst). Gottesdienste
berühren sich in einem Punkt mit Rundgängen auf
Kunstausstellungen. Im Gottesdienst verlesen wir Bibelgeschichten,
in denen Menschen ihre Geistberührung erzählen, und das
nicht in wissenschaftlich-steriler Art, sondern so, dass sie ihr
Inneres nach außen kehren. Wir vermündlichen, wir
verlesen, was sie sagen, und stellen sie uns vor und schauen ihnen
ins Gesicht, ob sie sich über uns lustig machen, oder ob
tatsächlich was dran ist, was sie behaupten. Wer ein
vanGogh-Bild betrachtet, sieht noch deutlich die Hand, die den
Pinsel führte, schaut durch die Augen, die sich diese Farben
ausgedacht haben, schlüpft für Momente in die Seele,
die sich diesen Anblick gewählt hat, und wünscht sich,
einmal so sicher, so spontan, so bewegt zu leben wie die
Pinselstriche vanGoghs es vormachen/zeigen. Eine Bildbetrachtung
kann zur Begegnung mit dem Geist führen, die den
Künstler bewogen hat, zu erschaffen, was zu sehen ist.
-
- III
-
- Haben Sie die Zeilen aus dem Jeremiabuch
aufmerksam mitgelesen? Ich sage Ihnen, diese Worte haben es in
sich. Und wir lesen, wir hören einfach mit. Zuerst sinds nur
schwarze Buchstaben auf weißem Papier. Dann wird es,
vorgelesen, zum lebendigen Hörspiel, eine Spielszene vor
unserem inneren Auge, mit einer vorstellbaren Person, die man
kennen könnte. Dann wird´s zum Neúm Adonaj,
Raunen Gottes, Gottestuscheln. Schauen Sie nur hin.
- Rede Gottes geschah mir. Es sprach.
&endash; So beginnt es. Keine Aussage über den Ort, an dem
Jeremia die Stimme Gottes vernimmt. Ob es in der Abgeschiedenheit
eines Heiligtums passierte oder beim Gottesdienst in der Bankreihe
mitten zwischen andern Leuten, oder in der Warteschlange eines
Amtes oder mitternachts, hoch geschreckt im Bett - jeder Platz ist
denkbar. Auch in der Frage, obs eine Männer- oder
Frauenstimme ist, erfahren wir nichts &endash; es heißt
einfach Rede Gottes (JHWH) geschah mir. Es sprach. Es sprach. Nur
dass es nicht laut und dröhnend rüber kam, sondern
leise, flüsternd, &endash; darauf legt Jeremia großen
Wert. Neúm Adonaj, Raunen, Tuscheln Gottes ists, erinnert
sich der Prophet. Was elektrisierend ist, das sind die Worte, die
er vernimmt. Worte größtmöglicher Vertrautheit,
als wäre der Sprecher dem Jeremia zeitlebens auf Schritt und
Tritt gefolgt, lange bevor dieser überhaupt schreiten und
trotten konnte. Es sind Worte, die auf einer Art von
Menschenkenntnis ruhen, wie sie auch die besten Menschenkenner
unter uns nicht kennen:
- Rede Gottes (JHWH) geschah mir. Es
sprach :
- >Ehe ICH dich bildete im Mutterleib,
habe ICH dich gekannt
- Ehe du aus dem Schoße fuhrst, hab
ICH dich geheiligt,
- als Künder den Weltvölker habe
ICH dich gegeben.<
-
- Stellen wir uns vor, wir steckten in
Jeremias Haut, und es würde in dieser Kirche jemand direkt
hinter uns sitzen, sich vorlehnen und uns ins Ohr raunen: Ehe ICH
dich bildete im Mutterleib, habe ICH dich gekannt &endash;
würd einem das nicht einen Schauer über den Rücken
jagen? Würden wir nicht verdattert den Kopf einziehen, oder
verärgert zischen: Was fällt Ihnen denn ein! Oder abrupt
aufstehen und uns woanders hinsetzenŠ Ich habe dich gekannt, das
sind so Worte, selbst in schriftlicher Form perlen die nicht
einfach ab, die gehen durch Mark und Bein, und man möchte
sich umdrehen und schauen, wer so was sagt!
-
- IV
-
- Oder besser doch nicht. Neúm
Adonaj, Raunen, Tuscheln Gottes ists. Jeremia scheint nicht zu
wagen, den Blick zum Sprecher zu wenden. Das hätt´ er
gemacht, wenn´s ein Verrückter gewesen wäre. Aber
Gott schaut man nicht an. Es ist aufregend genug, Ihn zu
hören. Und selbst in schriftlicher Form merkt man heute noch,
das es Worte sind, wo man sich nicht einfach taub stellen kann,
denen man sich einfach nicht entziehen kann. - Andererseits hat
diese Szene nichts vom Unbehagen oder Schockeffekten einer
“spiritistischen Sitzung". Jeremia ist nicht gelähmt. Die
geraunten Worte machen ihn nicht mundtot. Jeremia spricht. Er
spricht drauf an und antwortet. Widerspricht! Du meinst doch nicht
etwa mich? sagt er. Mein Herr, Du kannst unmöglich mich
meinen. Ich bin nicht der, den Du meinst. Als “Künder der
Völker" brauchst Du einen erfahrenen Diplomaten, einen
Wortgewaltigen, mit Stehvermögen. Sowas kann ich nicht! Ich
hab noch nicht mal das Alter, in dem man irgendwo vorgelassen,
geschweige denn angehört oder ernst genommen wird! Ich
sprach: “Ach, mein Herr, Š da,
- ich weiß nicht zu reden,
ich bin doch (noch) ein Kind!"
- Aber damit ist diese Stimme nicht
abzuwimmeln. Sie geht auf Jeremias Einwand ein und antwortet
punktgenau. ER (JHWH) aber sprach zu mir:
- >Sag nie mehr ´ich bin ein
Kind`!
- Ja denn &endash; allwohin ICH dich
schicke, wirst du gehen,
- allwas ICH dir entbiete, wirst du
reden.
- Fürchte dich nicht mehr vor
jenen, denn ICH bin mit dir, dich zu retten.<
-
- Jetzt hat das Gottesraunen nicht mehr
nur leise Töne, jetzt hat es einen Klang. Das Flüstern
ertönt nicht im Befehlston. Da ist kein Anordnen. Kein
Einschüchtern. Nein, freundlich kommt das hier rüber. Um
Vertrauen werbend. Versichernd. Ermutigend. Fürchte dich
nicht mehr vor jenen, denn ICH bin mit dir, dich zu retten.<
Diese Worte lösen etwas aus. Sie lösen die Angst. Sie
stärken den Rücken. Machen den, der sich klein macht,
groß. Sie zollen Respekt, wo sich einer nicht respektiert
wähnt. Sie nehmen die Furcht, wo sich jemand fürchtet.
Sie stellen sich an die Seite, wo einer meint, allein dazustehen.
Und aus einem Allerweltsleben, das von lauter Zufällen
bestimmt dahin plätschert, wird ein Leben mit einer Mission,
mit einem Auftrag, einem Ziel, ein Leben mit Sinn.
- Ehe ICH dich bildete im Mutterleib,
habe ICH dich gekannt.
- Ehe du aus dem Schoße fuhrst,
hab ICH dich geheiligt, Š
- Fürchte dich nicht mehr Š, denn
ICH bin mit dirŠ
- Neúm Adonaj, Gottesraunen,
Gottestuscheln ists.
-
- V
-
- Und dann folgt der letzte Akt: aus
uralten Bibelworten werden unversehens Botenworte. Sie verlassen
das Kopfkino unserer Menschenkenntnis und steigen von der
Bühne runter und gehen durch die Reihen und setzen sich
direkt hinter Sie. Stellen Sie sich vor, mit der Bibel geschehe
jetzt das Gleiche wie bei manchen Textzeilen draußen auf den
Tafeln. Wir sehens, wir hörens, und haben das Gefühl:
´Das kenn ich doch!` ´Das habe ich doch schon mal
gehört!` Das ist mir doch nicht unbekannt, dieses Raunen,
aufmunternd, zutrauend, mich für voll nehmend. Das hab ich
doch schon mal gehört &endash; aus dem Munde von Freunden,
aus den Gesten von Mitarbeitern, aus Kunst, die mich erfreut, aus
Musik, die mich in die Luft hebt und auffliegen lässt mit
Flügeln wie Adler, aus Worten der Bibel, hier verlesen;
Gottestuscheln, das gute Zureden Gottes, das ist mir doch nicht
unbekannt. &endash; Und wenn Sie das zu denken wagen, dann hat das
kleine Tagebuch Jeremias einen neuen Besitzer, der es
fortführt : Sie und mich.
-
- *
-
- Liebe Gemeinde, die Bibel ist ein
Kunstwerk, aber sie ist nicht künstlich. Sie ist eine
kunstvolle Lauschbeute, dicht beschrieben mit Gott-getränkten
Geschichten, Erlebnissen, Bildern und Dramen. Und wenn wir unser
Auge drauf richten und unser Ohr dicht dran halten, können
wir das Tuscheln und Raunen des Himmels vernehmen. Ein
Gottesdienst ists, wenn Worte lebendig werden, wenn sie die
Buchseiten verlassen und sich hinter uns platzieren und uns ganz
persönlich anreden, so, dass wir uns nicht entziehen
können. Dann ist es ein Gottesdienst. Achten Sie drauf, und
antworten Sie ruhig. Es kann überraschend gut
ausgehen.
- Amén
-
-
-
- Liturgie
- Eingangslied eg . 440 : 1-4 All Morgen
ist ganz frisch und neu
- Psalm 50 / eg 726
- Gnadenspruch
- Heute, wenn ihr Gottes Stimme hören
werdet,
- verstockt euer Herz nicht! (Hebr.
3:15)
- Erste Lesung Jeremia 1
(Predigttext)
- Wochenlied eg. 155 : 1-4 Herr Jesu
Christ, dich zu uns wend`
- Zweite Lesung JohEvg 16:23b-30
- Lied vor der Predigt eg. 577 : 1-3
Kommt herbei, singt dem Herrn
- Predigt zu Jeremia 1 “Sprich, damit ich
Dich sehe (Gottestuscheln)"
- Lied nach der Predigt eg. 624 : 1-5
Singet dem Herrn ein neues Lied
- Abkdg
- Lied eg. 331 : 1-3 Großer Gott,
wir loben Dich